DIES & DAS

Belobigungen, Laudatien, spezielle Verlautbahrungen – Stimmen aus der Lenzsiedlung

Gute Zeiten schlechte Zeiten – Stimme aus der Lenzsiedlung in Zeiten von Corona

Klickt auf das Bild und Ihr könnt berichten (per Video, Foto, Text oder Audioaufnahme) wie ihr die Corona Zeit verbringt, was anders ist als vorher und wie sich euer (Familien)Leben verändert hat. Wenn ihr ein Foto mit Maske auf die Seite stellt, könnt ihr auch an unserer Ausstellung am Haus „Maskenportraits“ teilnehmen.

Wir freuen uns über Eure Beteiligung.

TRÄUM WEITER, BABY! Es könnte alles so schön werden – nach Corona

TRÄUM WEITER, BABY!
Es könnte alles so schön werden – nach Corona

jk

Der Himmel über Hamburg bleibt ruhig und klar, Inlandsflüge sind ganz verboten, übers Wochenende nach Malle zu fliegen: unschick, Kreuzfahrtschiffe gelten nur noch als Mastanlagen. In den Ferien wandern die Menschen auf dem grünen Ring rund um die Stadtgrenze oder sie bleiben zuhause und tun sich mit den Nachbarn zusammen. Man verabredet sich zum Aufräumen und zu Verschönerungen seiner Umgebung, urbanes Gärtnern lässt die schönsten Blumen blühen, das Gemüse wächst, Apfel- , Pflaumen-, Mirabellenund Birnbäume säumen Parks und Grünflächen, Brombeerhecken werden gepflegt und Jahr für Jahr können die schönsten Früchte vor der Haustür geernet werden…

Aus der Immobilienblase entweicht die heiße Luft, Mieten werden bezahlbar und fressen nicht mehr große Teile des Einkommens der mittleren und unteren Schicht auf. Man muss sich einfach nicht mehr so krumm legen, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Denn natürlich weiß man inzwischen auch um die Systemrelevanz vieler Jobs, die vor der Krise einfach nur schlecht angesehen und schlecht bezahlt waren. Nun genügt für alle die 30-Stunden-Woche für ein auskömmliches Einkommen. Und es bleibt genug Zeit, sich um Familie und Freunde, seine Nachbarschaft, seinen Stadtteil, Bezirk und die Stadt zu kümmern…

Youtube, Insta & Co. gibt’s immer noch, nur die Influencer*innen, die billige oder teure Klamotten nur ein Mal für bezahlte Werbung anziehen, um das Zeug dann gleich wieder zu verklappen, sind jetzt krass uncool. Für Kids und Teenies bleibt wohl die Schulpflicht, aber der Besuch des Schulgebäudes ist freiwillig. Die Lehrer*innen können locker mit digitalen Medien umgehen, die Schüler*innen arbeiten zuhause oder im Park und freuen sich drauf, mit ihren Mitschüler*innen zusammen in der Schule lernen zu können, Projekte zu verwirklichen, die sie sich ausgedacht haben.
Und dafür sind auch die Schulgebäude großzügig gerüstet und ausgestattet worden, um sich dort wohlzufühlen und produktiv sein zu können. In der Corona-Zeit haben alle gelernt, dass es auf
jede*n ankommt, dass Rücksichtnahme zu besserer Stimmung führt, dass man selbst viel besser lernt und Dinge kapiert, wenn man denen hilft, die es dabei etwas schwerer haben, also werden Mobbing und Cybermobbing total unmodern. Etwas zusammen zustande zu bringen, zusammen Aufgaben zu lösen, Musik und Theater zu machen, kurz: fürs Leben zu lernen, bringt einfach mehr Spaß, als sich gegenseitig zu dissen…

Die Luft in Hamburg ist gut, sehr gut. Die Straßen sind frei, denn wo früher drei Tonnen Schrott einen Hintern von A nach B beförderten, sind die kurzfristig angelegten Pop-up-Radwege zur dauerhaften Einrichtung geworden und es funktioniert der – mittlerweile kostenlose – öffentliche Nahverkehr, Busse und Bahnen fahren im Fünf-Minuten-Takt, mehr als 500 Meter muss in
Hamburg niemand mehr laufen, um Anschluss ans Netz zu haben, auch um die Urlaubsziele in der Umgebung zu erreichen, ob Sachsenwald, Lüneburger Heide oder viele andere Traumziele um die Ecke – es kommt einfach drauf an, was man draus macht und Kreuzfahrtschiffe gelten als Käfighaltung. Home-office hat sich etabliert, für viele beginnt der Arbeitstag nicht mehr mit Stunden im Stau, es wurde entdeckt, dass sich öffentlicher Raum nicht nur zum Parken eignet: „Calling out around the world, are you ready for a brand new beat, summer‘s here and time is right, for dancing in the street“…

Da viele Bürohäuser ihre Funktion verloren haben, werden sie zu neuen Orten der Begegnung, zu Freiräumen für Kreativität, zu Wohnzimmern in der Nachbarschaft für Profis und Amateure, die hier Werkstätten, Bibliotheken, Ateliers und Proberäume finden. Ob allein oder zusammen kreativ sein – niemand kann ohne die anderen was schaffen, leben. „Wir bewegen was“, wird das neue Lebensgefühl…
Und dann bin ich aufgewacht …

Termine

X