Was ist eine Skoliose?

 

Doris Möde, Physiotherapeutin

Von der Seite gesehen, zeigt sich die Wirbelsäule in einer S-Form, dadurch bekommt sie Stabilität und einen Federungseffekt. Wäre die Wirbelsäule nicht geschwungen, würden wir gehen und laufen wie ein Roboter und hätten in kürzester Zeit abgenutzte Wirbel. Sieht man die Wirbelsäule von hinten, verläuft sie im Normalfall weitgehend gerade. Die Wirbelkörper bilden eine lotrechte Linie vom Kopf bis zum Becken. Zeigt die Wirbelsäule aus dieser Sicht Kurven und Bögen, spricht man von einer Skoliose.

Die für eine Skoliose kennzeichnende Verbiegung der Wirbelsäule kann in verschiedene Richtungen zeigen:

  • linkskonvexe Skoliose: Wirbelsäule ist nach links gebogen
  • rechtskonvexe Skoliose: Wirbelsäule ist nach rechts gebogen.

Thorakale Skoliose

Meistens gibt es bei der Skoliose eine Hauptkrümmung. Darüber und darunter bilden sich oft kleinere kompensatorische Krümmungen, damit eine aufrechte Körperhaltung weiterhin möglich bleibt.

Eine  Wirbelsäulenverformung ist erkennbar bei Betrachtung des Körpers, am besten mit unbekleidetem Oberkörper:

  • Die Schultern haben eine unterschiedliche Höhe und ein Schulterblatt steht hervor.
  • Der Kopf sitzt nicht direkt mittig über dem Becken.
  • Eine der Hüften ist höher und sticht hervor.
  • Die beiden Seiten des Brustkorbs sind unterschiedlich hoch
  • Eine schiefe Taille
  • Der ganzer Körper ist zu einer Seite geneigt
  • Einige der Rippen stehen hervor, wenn Sie sich nach vorne neigen.

Aufschlussreich ist auch der sogenannte Vorbeugetest oder Adams-Test. Dabei beugt der Betroffene bei gestreckten Beinen seinen Oberkörper um etwa 90 Grad nach vorne und lässt die Arme herunterhängen. Betrachtet man nun seinen Rücken von hinten, fällt bei einer Skoliose meist auf, dass eine Seite höher steht als die andere, dass sich eine Art Buckel (Rippenbuckel) bildet. Auch die Lendenmuskeln treten auf dieser Seite deutlicher hervor (Lendenwulst).

Vermuten Eltern eine Skoliose bei ihrem Kind, sollten sie den Kinderarzt oder einen Orthopäden aufsuchen, der ein Röntgenbild erstellt, um die Diagnose zu sicher und den  Krümmungswinkel zu vermessen. Die sogenannte Winkelmessung nach Cobb.

Folgende Schweregrade können sich daraus ergeben:

Leichte Skoliose: 10°-40°

Mittelschwere Skoliose: 40°-50°

Schwere Skoliose: über 50°

 

In den meisten Fällen sind die ersten Anzeichen einer Skoliose bereits im Grundschulalter bemerkbar.

Bei etwa 80 Prozent der Skoliosen bleibt die auslösende Ursache unbekannt. Diese unterschiedlich stark ausgeprägte sogenannte idiopathische Form der Skoliose spielt besonders im Kindes- und Jugendalter eine große Rolle. Man vermutet eine Fehlsteuerung der Muskulatur, der Nerven oder des Stoffwechsels, die zu einem veränderten Wachstumsverhalten der Wirbelkörper führen könnten. Die betroffenen Wirbelkörper wachsen ungleich und drehen sich aus der ursprünglichen geraden Ausrichtung heraus.

Bei der idiopathischen Skoliose ist eine familiäre Häufung bekannt, wird aber nicht direkt weitervererbt. Dabei sind neun von zehn betroffenen Kindern oder Jugendlichen mindestens 11 Jahre alt und bei Mädchen kommt sie häufiger vor als bei Jungen. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.

Mögliche Beschwerden

Die Verformung kann zu Beginn eher als optisch störend empfunden werden als das sie Schmerzen verursacht. Eine ausgeprägte Skoliose belastet jedoch alle beteiligten Strukturen, so dass es leichter zu Rücken- und Muskelschmerzen durch eine Dysbalance und Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule kommt. Ist eine Skoliose sehr ausgeprägt (50° und mehr), beeinträchtigt die Verformung manchmal sogar die Funktion der inneren Organe. Eine herabgesetzte Lungenfunktion, Störungen von Herz-, Magen-Darm- und Nierenfunktion sind sehr seltene, aber mögliche Folgen.

Wie wird eine Skoliose behandelt?

Eine Therapie kann folgende Ziele haben: Eine weitere Verschlechterung soll verhindert werden. Die bestehende Verkrümmung soll möglichst dauerhaft korrigiert werden. Die Frage, ob und wie eine Skoliose behandelt werden muss, entscheidet der Arzt im Gespräch mit den Eltern.

Eine leichte Skoliose (10° bis 20°) ist mit aktiven krankengymnastischen Übungen zu behandeln. Das Ziel dieser Therapie besteht darin, die Muskeln aufzubauen, ein gutes Körpergefühl für eine aufrechte symmetrische Haltung und Bewegung zu entwickeln und eine Korrektur der Fehlhaltung zu erzielen.

Wirbelsäulenkrümmungen über 20 bis 25 Grad werden bei noch großer Wachstumspotenz meistens mit einem individuell angefertigten Korsett aus leichtem Kunststoff behandelt, um eine (weitere) Deformation der knöchernen Strukturen zu vermeiden. Das Korsett sollte bis zu 22 Stunden, auch nachts, getragen werden. Ergänzend wird eine krankengymnastische Behandlung zur Kräftigung der Muskulatur verordnet.

Ist die Wirbelsäule bei einer Skoliose um mehr als 50 Grad nach Cobb gekrümmt, kann eine operative Behandlung in Betracht gezogen werden, allerdings ist es erst möglich nach Abschluss des Wachstums (nach der Pubertät). Bei einer Operation wird die Form der Wirbelsäule mit Stäben und Schrauben abschnittweise fixiert und korrigiert (Spondylodese).

Es wäre ein Fehler, einfach darauf zu hoffen, dass sich eine Skoliose schon irgendwie „auswachsen“ wird. Oft ist eine frühzeitige Therapie besonders wichtig und kann einen schweren Verlauf verhindern.

 

 

Februar 2011