Hexenschuss – was tun?

Doris Möde: Physiotherapeutin

Besonders jetzt in der kalten Jahreszeit tritt er wieder auf und zwingt seine Opfer oft buchstäblich in die Knie: der Hexenschuß,

Schmerzen, die sich im Rückenabschnitt von der untersten Rippe bis zum unteren Ende des Gesäßmuskels erstrecken, bezeichnet man als Kreuzschmerzen. Treten die Schmerzen plötzlich und unerwartet auf, spricht man im Volksmund von einem Hexenschuß (in der Fachsprache: akuter Rückenschmerz oder Lumbago.) Dauern die Schmerzen länger als zwölf Wochen, sprechen die Ärzte von einem „chronischen Kreuzschmerz“. Bei einer Schmerzausstrahlung vom Gesäß, in den hinteren Oberschenkel oder ins ganze Bein, bezeichnet man es als „Lumboischialgie“.

Ausgelöst wird der Hexenschuß meist durch alltägliche Bewegungen wie Heben, Drehen oder Bücken bzw. Aufrichten (oft in einem Zusammenspiel mit einem kalten Rücken). Häufig können die Betroffenen dann ihren Rücken nicht mehr strecken. Durch die starken Schmerzen wird die Bewegungsfreiheit so stark eingeschränkt, dass die Betroffenen zur Schmerzvermeidung eine Schonhaltung einnehmen. Die Schonhaltung über einen längeren Zeitraum führt zusätzlich zu starken Muskelverspannungen und verursacht weitere Schmerzen.

Ein Hexenschuss wird nur selten durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst.

Symptome:

  • plötzlicher Stich im Rücken, verbunden mit starken Schmerzen
  • eingeschränkte Bewegungsfreiheit (Schonhaltung– meistens eine nach vorne gebeugte und leicht zur Seite geneigte Haltung)
  • Steifheit im unteren Rückenbereich (Verspannung der Rückenmuskulatur )
  • Druckschmerz (z.B. Fingerdruck auf den Lendenwirbelbereich verursacht starke Schmerzen)
  • ausstrahlende Schmerzen bis in die Lenden und ins Gesäß, auch möglich in den Oberschenkel oder in die Leiste

Ursachen können sein:

  • falsche Haltung beim Anheben von schweren Gegenständen
  • schnelle Drehbewegung und Seitneigung der Wirbelsäule
  • Kälte oder Zugluft im Lendenwirbelbereich
  • zu schwache Muskulatur im Rückenbereich
  • Verspannungen und muskuläre Dysbalancen
  • schlechte Haltung

Der Arzt kann ein schmerzstillendes und entkrampfendes Präparat verordnen aber man kann durch wirksame Sofortmaßnahmen die Schmerzen lindern:

Stufenlagerung: Man legt sich flach auf den Boden (Decke oder Wärmflasche unterlegen!) und die Beine auf einen Stuhl oder Hocker, so dass diese in etwa einen rechten Winkel zu den Oberschenkeln bilden. So werden die Lendenwirbel und die verspannte Muskulatur wirksam entlastet. Man sollte mindestens eine halbe Stunde in der Position liegen. Während der Stufenlagerung kann man das „Kreuz“ bewegen. Lendenwirbelsäule in die Unterlage drücken und wieder ein „Hohlkreuz“ machen. Mehrmals wiederholen.

„Katzenbuckel“: Man begibt  sich auf die Knie, beugt den Oberkörper vor, stellt die Arme senkrecht zur Schulter auf den Boden (Vierfüßlerstand). Die Lendenwirbelsäule bewegen sie hoch und runter, dies ergibt eine Mobilisation der Wirbelsäule und eine Entspannung der Muskeln.

Oft wirkt eine Massage mit vorhergehender Wärmebehandlung Wunder (z.B. Fango).

Mindestens genauso wichtig ist es, dem Hexenschuß vorzubeugen. Eine gesunde und kräftige Muskulatur trägt mehr dazu bei als jede andere Vorsichtsmaßnahme. Je kräftiger und besser das Muskelkorsett trainiert wird, desto geringer ist die Gefahr bei einer schnellen Bewegung, einen akuten Rückenschmerz zu bekommen.

Therapie:

  • Massagen
  • Schmerzstillende Medikamente
  • Wärme (Fango, Wärmflasche, Heizkissen etc.)
  • Chiropraktik
  • Akkupunktur
  • Gymnastik (nach der akuten Phase)

Beugen Sie beim Heben nicht die Wirbelsäule und führen Sie keine ruckartigen oder Drehbewegungen des Oberkörpers aus. Halten Sie den Rücken gerade.

Lenz Life                                                                                                  November 2010