Fersenschmerzen – Was Ist ein Fersensporn?

Doris Möde, Physiotherapeutin

„Mache ich morgens nach dem Aufstehen die ersten Schritte, spüre ich sofort stechende Schmerzen in der Fersenmitte. Nach einigen Minuten wird der Schmerz dumpf und wenn ich nach längerem Sitzen aufstehe, kehrt der stechende Schmerz wieder…“

Jedes Jahr leiden ungefähr 4 Millionen Menschen in Deutschland unter Fersensporn! Dies betrifft insbesondere Personen, die über 50 Jahre alt sind. Fersensporn kann zu einer sehr schmerzhaften Entzündung führen, die das Gehen stark einschränkt und es in manchen Fällen beinah unmöglich macht.

Hier finden Sie eine Erklärung des Fersensporns einschließlich nützlicher Behandlungstipps.

Symptome / Beschwerden

Patienten mit einem schmerzhaften unteren Fersensporn berichten über einen belastungsabhängigen Schmerz im Bereich der Ferse. Je nach Erkrankungsstadium kann der Schmerz erst nach längerer Belastung auftreten oder permanent vorliegen. Typisch ist auch der morgendliche Anlaufschmerz unter der Ferse, welcher sich im weiteren Tagesablauf zunächst wieder bessert.

Der Schmerzcharakter wird meistens als stechend, gelegentlich auch als brennend beschrieben. Eine Schmerzausstrahlung in den Fuß wie auch in den Unterschenkel ist möglich. Der Gang wird humpelnd, der Abrollvorgang ist gestört, oft wird nur der vordere Teil des Fußes aufgesetzt. Nach einiger Zeit unter Belastung lassen die Schmerzen nach, nehmen aber dann nach längerer Belastung wieder zu. Üblicherweise sind diese Schmerzen insbesondere nachts oder nach längeren Ruhephasen unerträglich.

Es gibt zwei Arten des Fersensporns

Es gibt den oberen Fersensporn am Achillessehnenansatz und den unteren Fersensporn an der Fußsohle am Plantarsehnenansatz. Es ist wichtig, zwischen dem unterem und dem oberem Fersensporn (auch Haglund-Syndrom genannt) zu unterscheiden. Der obere Fersensporn setzt am Achillessehnenansatz an und ist seltener. Er wird eher durch Achillessehnenerkrankungen (Achillodynie) ausgelöst.

Wie entsteht der untere Fersensporn?

Der untere Fersensporn ist ein dornartiger Knochenauswuchs an der Unterseite der Ferse und zeigt in Richtung Zehen. Entstehen kann er durch eine Entzündung, verursacht meist durch wiederholte kleinste Verletzungen, am Ansatz der Sehnenplatte (Plantarsehnenansatz) die an der Fußsohle verläuft. Der Körper versucht diese Verletzungen durch natürliche Verkalkung zu reparieren, daraus entwickelt sich allmählich ein Sporn.

Diese Miniverletzungen können von Druck- oder Zugkräften ausgelöst werden. Ursache des Fersensporns können längere Fehlbelastungen, zum Beispiel durch falsches oder hartes Schuhwerk sein. Auch das Verharren in Zwangshaltungen – wie bei längeren oder regelmäßigen Autofahrten oder langes Stehen am Arbeitsplatz – kann zu diesen Kleinstverletzungen führen. Intensiver Sport in untrainiertem Zustand und Verspannungen in der Muskulatur der Wade sowie Übergewicht kann zu diesen Fersenschmerzen beitragen. Jedoch die häufigste Ursache ist eine Fußfehlhaltung, der Senkfuß (Abkippung des Fußes nach innen).

Fersensporn-Behandlung mit Einlagen und Übungen

Der Fersensporn ist eine Domäne der konservativen Therapie, der Physiotherapie. Ziel ist die Beseitigung der den Sporn umgebenden Weichteilentzündung. Zu den allgemeinen Maßnahmen zählt alles, was zu einer Reduzierung der Druck- und Zugbelastung am Fersensporn beiträgt.

Hierzu gehören:

  • Korrektur von Fußfehlstellungen (Einlagenversorgung).
  • Fersenpolster mit Locheinlage / Geleinlagen über dem Fersenspornbereich
  • Gewichtsreduktion
  • Reduzierung der körperlichen Belastung
  • Dehnungen und Gymnastik
  • Kälte- und Wärmeanwendungen
  • Ultraschallbehandlungen

Injektionen (sehr schmerzhaft) und Medikamente sind auch möglich. Eine Operation kommt nur bei ausgereizter konservativer Therapie in Frage.

Physiotherapeutische Tipps:

Eis in ein Handtuch gewickelt für etwa 5 Minuten auflegen, sodass die Entzündung gemindert werden kann oder eine Flasche mit sehr kaltem Wasser füllen, dann mit der nackten Fußsohle hin und her rollen. Aufhören wenn der Fuß zu kalt wird.

Fersensporn Übung 1

Stellen Sie sich mit dem Vorfuß auf eine Stufe. Lassen Sie Ihre Fersen langsam nach unten sinken und entspannen Sie Ihre Wadenmuskeln. Halten Sie diese Position für 15 – 20 Sekunden und spannen Sie dann Ihre Wadenmuskeln wieder um Ihre Fersen in den Zehenstand anzuheben. Wiederholen Sie diese Übung 10-mal.

Fersensporn Übung 2

Legen Sie ein aufgerolltes Handtuch über Ihren Fußballen und ziehen Sie es mit beiden Händen langsam auf sich zu. Ihr Knie muss dabei gerade sein. Halten Sie es für 15 – 20 Sekunden und wiederholen Sie es 5-mal.

Fersensporn Übung 3

Stützen Sie Ihre Hände in Augenhöhe gegen eine Wand. Stellen Sie das Bein, das Sie strecken wollen, ungefähr einen Schritt hinter sich und halten Sie Ihre Ferse auf dem Boden. Beugen Sie Ihr vorderes Bein, bis Sie ein Ziehen in der Wade Ihres zurückgestellten Beines verspüren. Halten Sie diese Position für 15 – 20 Sekunden und wiederholen Sie es 5-mal.

In den meisten Fällen ist eine konservative Therapie hinreichend für die Behandlung des Fersensporns.

 „Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun.“

(Goethe)

Lenz Life Juni 2011