SIEBEN JAHRE QUARTIERSENTWICKLUNG

Die sieben Jahre Quartiersentwicklung wurden von vielen politischen Umbrüchen und Veränderungen begleitet:

Zwei Wahlen mit Regierungswechseln, die Umstrukturierung von Fachbehörden und der Jugendhilfe, der Übergang der Zuständigkeit der Quartiersentwicklung auf die Bezirke, der Kita-Gutschein, das Arbeitszeitmodell für die Lehrer, und das neue Einwanderungsgesetz sind eingeführt worden. Neue Projekte werden nur gefördert, egal ob aus öffentlichen Zuwendungen oder z.B. von Stiftungen, wenn sie zusätzlich sind und innovativ. Gleichzeitig hat sich die Situation der Familien in vielen Bereichen weiter zugespitzt; vor allem durch Arbeitslosigkeit und die Aussichtslosigkeit von Jugendlichen, in den Arbeits- bzw. Ausbildungsmarkt zu gelangen. Dadurch werden Familien persönlich und finanziell stark belastet. Die Familien sind auf Unterstützung von außen angewiesen, finanziell wie emotional, um z.B. ihre eigenen Potenziale zu entdecken und aktiv zu werden. Flankierende Projekte der Familienförderung erfahren keine Förderung. Die immer währende Akquise von Geldern bindet erhebliche zeitliche Ressourcen. Wir hatten es also mit schwierigen Rahmenbedingungen zu tun. Unter diesen Prämissen grenzt es an ein Wunder, was dennoch in der Lenzsiedlung alles geschaffen wurde. Dies ist insbesondere auf die außerordentliche Kooperationsbereitschaft, Phantasie, Einsatzbereitschaft und den Pragmatismus vieler Akteure zurückzuführen. Dieser Kraftakt wurde belohnt und konnte überzeugen:

 

a. Vier Auszeichnungen haben nicht nur den Bewohner/innen gezeigt, dass sich Engagement lohnt. Sie haben auch für eine Anerkennung gesorgt, die dem Sozialen Bereich oft nicht entgegen gebracht wird.

b. durch die Bereitstellung von Mitteln für die Verstetigung des Stadtteilbüros kann nunmehr eine Absicherung der bisherigen Arbeit auf einem niedrigeren Niveau erfolgen.

 

Grenzen der Quatiersentwicklung: „Eine Daueraufgabe ohne Dauerlösung“

Die Lenzsiedlung hat durch die Arbeit der Quartiersentwicklung eine Imageverbesserung erfahren. Allgemein steht die Öffentlichkeit solchen Großraumsiedlungen aber immer noch sehr skeptisch gegenüber, so dass sich durch eine negative Berichterstattung in den Medien die – nach innen und außen sichtbaren – Erfolge sehr schnell in Luft auflösen könnten. Im Sommer 2005 beispielsweise hätte sich das Blatt leicht wenden können, als ein Jugendlicher im Innenhof der Lenzsiedlung von anderen Jugendlichen niedergestochen wurde. Jugendliche aus ganz Hamburg hatten den U-Bahnhof Lutterothstraße als Treffpunkt für „verabredete Schlägereien“ genutzt.

Auf solche Entwicklungen hat die Quartiersentwicklung verständlicherweise keinerlei Einfluss. Hier muss verstärkt und frühzeitig in den Schulen und Einrichtungen gegengesteuert werden. Auch dazu brauchen diese Einrichtungen aber ausreichende Ressourcen. Die Schulen waren bisher nicht in eine längerfristige Kooperation einbindbar. An einzelnen Projekten, die an sie herangetragen wurden, waren sie beteiligt. Für die zukünftige positive Entwicklung der Lenzsiedlung wären jedoch Aktivitäten aus den umliegenden Schulen sehr wichtig. Dazu bräuchte es eine stärkere Öffnung der Schulen nach außen, die von Seiten der Politik und der Schulbehörde unterstützt werden müsste. Erst dann wären wirklich alle 4-B´ s unserer Strategie für die Lenzsiedlung, also auch die Bildung, bei den für diesen Bereich Verantwortlichen angebunden.

 

Verstetigung

Die Zwischenevaluation des Hamburgischen Stadtentwicklungsprogramms kommt zu dem Ergebnis, dass die vielen baulichen Erneuerungen und geschaffenen Infrastrukturen einen wichtigen Grundstock für eine positive Zukunft der Quartiere bilden. Gefährdet sind vor allen die weichen Strukturen. Diese benötigen weiterhin professionelle Unterstützung und Geld. Diese Einschätzung wird durch die Einrichtungen und durch die Erfahrungen in schon beendeten Gebieten (z.B. Eidelstedt Nord, Eimsbüttel Nord) unterstützt. Die gewünschten, sogenannten selbsttragenden Strukturen, werden sich auch in der Lenzsiedlung nicht auf rein ehrenamtlicher Basis aufbauen lassen; dazu sind die Strukturen und die Interessen der Bewohner/innen zu heterogen. In der Linse (Hamburg-Langenfelde) hat die Wohnungsgenossenschaft Langenfelde darauf reagiert und eine Vollzeitkraft eingestellt, die die Belange des Stadtteilbüros und die Aktivierung und Betreuung Ehrenamtlicher wahrnimmt. In dem Workshop „Zukunft Lenzsiedlung“ war ein Modell für die Verstetigung in der Lenzsiedlung entworfen worden. Die dazu gehörige Finanzierung ist von Dr. Joachim Bringezu (Inhaber der GBR Ute und Dr. Bringezu) entwickelt worden. Der Kerngedanke, dass sich die Eigentümer/innen, die Mieter/innen und die Stadt an den Kosten beteiligen, ist auf Zustimmung im Stadtteilbeirat gestoßen. In einer Diskussion mit den Eigentümern, eingeladen von dem Bezirksamtsleiter Herrn Dr. Jürgen Mantell, ist darüber ein Konsens hergestellt worden. Die Eigentümer/innen, Bewohner/innen und die Stadt, bringen nach diesem Modell insgesamt jeweils 8.000 Euro auf, d.h. insgesamt  24.000 Euro, die für die Koordinierung des Stadtteilbeirats, eine Ansprechperson für Behörden, für die Aktivierung und Unterstützung Ehrenamtlicher (zehn Wochenstunden) sowie für die Öffentlichkeitsarbeit benötigt werden. Daraufhin wurde in Hamburg das Programm der Aktiven Stadtteilentwicklung für die Verstetigung ergänzt und den betroffenen Gebieten wurden für weitere vier Jahre bis zu 12.000 Euro jährlich zur Verfügung gestellt, wenn sich andere Akteure vor Ort ebenfalls beteiligen. Durch diese finanzielle Unterstützungszusage ist die Koordinierung des Stadtteilbeirates und die Unterstützung der Ehrenamtlichen für die nächsten Jahre abgesichert. Um auch für anstehende Projekte ausreichend Mittel zur Verfügung zu haben, wurde vor zwei Jahren der Förderverein Lenzsiedlung gegründet.

 

Gesundheitsförderung

Um dieses Thema noch vehementer in der Lenzsiedlung zu verankern, wird versucht, über die Präventionsmittel der Krankenkassen ein weiteres Projekt fördern zu lassen. Inwieweit dies erfolgreich sein wird, wird sich erst im kommenden Jahr abzeichnen, da bisher weder das geplante Präventionsgesetz noch die Gesundheitsreform abschließend verabschiedet wurden.

 

Ausblick

Mit den Mitteln für die Verstetigung des Programms ist die Beendigung des Programms abgefedert. Trotzdem bleiben natürlich Fragen offen: Welche Folgen die Verringerung der personellen Ressourcen wirklich hat, wird sich erst noch zeigen. Wird das große ehrenamtliche Engagement erhalten bleiben? Wie nachhaltig sind die hervorragenden Kooperationsstrukturen, wenn federführende Personen wechseln? Wird die Lenzsiedlung nachhaltig im Focus der Politik und der Einrichtungen bleiben, auch bei politischen Veränderungen?

Das Erscheinungsbild der Lenzsiedlung ist durch das Programm nachhaltig verbessert worden, nicht zuletzt durch den Bewegungsraum Lenzsiedlung und die Fassadensanierung. Das Beispiel der AG Familienförderung zeigt, zu wie viel Kooperation Einrichtungen bereit sind; aber solche Prozesse binden sehr viele Ressourcen neben den Pflichtaufgaben. Selbst bei einem erfolgreichen Stiftungsantrag wird nur ein kurzfristiger Puffer geschaffen, so dass relativ bald ein neuer Antrag gestellt werden müsste. Den Prozess der Kooperation zu fördern und mitzugestalten wird auch die Aufgabe in dem anschließenden Verstetigungsprozess sein. Das Engagement von Einrichtungen und einzelner Mitarbeiter braucht fortwährend Unterstützung, Wertschätzung, aber auch Entlastung, damit die Anstrengungen für die Lenzsiedlung auf so einem hohen Niveau weitergeführt werden. Wir bedanken uns auf diesem Wege bei allen Partnerinnen und Partnern innerhalb und außerhalb der Lenzsiedlung für die sehr gute Kooperation.

 

Für das Team des Stadtteilbüros Lenzsiedlung Martina Stahl und André Braun