Geschichte der Lenzsiedlung

Am Rande von Eimsbüttel, auf dem schmalen Grundstück zwischen Julius-Vosseler-Straße und dem Lenzweg entstand in den Jahren 1974 bis 1979 die Lenzsiedlung mit über 1000 Wohnungen.

Von 1968 – 1969 entwickelte die Architektengemeinschaft Schween/ Streb mit der SAGA und der Stadtplanungsabteilung des Bezirks Eimsbüttel ein städtebauliches Konzept. Es war das bis dahin größte Wohnbauprojekt der SAGA in Eimsbüttel.

Der Bauplan von 1960 wies dieses Gebiet überwiegend als Grünfläche und Außengebiet aus. Nur im Norden des Plangebietes und westlich der Julius-Vosseler-Str. war ein Streifen als Wohngebiet und entlang des Eidelstedter Weges eine kleine Fläche für Arbeitsstätten gekennzeichnet.

Bevor die Bebauung erfolgen konnte, mußte das Planungsgebiet von ca. 300 Kleingärten, einigen Behelfsbauten und Gewerbebetrieben geräumt werden.

 

Ein paar technische Daten

Der Plan sah eine überwiegend 7-13geschossige Bebauung vor, die um 2 Geschosse erhöht werden konnte wenn der Fernsehempfang in der Umgebung nicht beeinträchtigt würde. Weiter sah der Plan ein Kindertagesheim und einen Altentreff sowie Kleinkinderspielplätze, Sitzplätze und Tischtennisanlagen vor. Östlich der Julius-Vosseler-Straße, außerhalb des Plangebietes, hatte die SAGA eine Parkanlage mit einem Bolzplatz und einem Abenteuerspielplatz geplant.

Die Stadt hatte 1977 die Freifläche von 5.800 qm auf das doppelte erweitert und als öffentlichen Park angelegt.

Für die Gestaltung dieser Flächen innerhalb des Gebietes wurde ein Künstlerwettbewerb durchgeführt, den Möller und Strey aus Hamburg gewannen.

Es wurde von Anbeginn darauf Wert gelegt, nicht mit der herkömmlichen Kunst am Bau zu arbeiten, sondern diese Freiflächen sollten für die Mieter nutzbar und reizvoll gestaltet werden. Es standen 120. 000,- DM zu verfügung.

Im Februar 1974 legte der damalige Bausenator Caesar Meister den Grundstein für das Großprojekt.

Die Architekten dazu:
„Um dem Bewohnern Individualität und Identifikationsmöglichkeiten zu bieten, wurden alle Gebäude vielfältig und plastisch gegliedert, wurde eine hervorstechende zonierte Farbgebung gewählt und kanzelartig ausgebildete Loggia als Gestaltungselemente eingeführt“

 

Die ca.900 Wohnungen, gefördert im Rahmen des sozialen Mietwohnungsbaus, sollten von Bewohnern bezogen werden die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Berufstätige, alte und behinderte Menschen.

Die Gesamtanlage wird durch ein zentral unterirdisches Heizwerk versorgt. In den Dachgeschossen sind Gemeinschaftsräume und Saunen eingebaut.

Aus Kostengründen und wegen der Höhe der Bauten wurde eine Herstellung aus Betonfertigungsteilen in Großtafelbauweise gewählt.

Am Lenzweg, Ecke Brehmweg, erstellte die SAGA ein sechsgeschossiges Gebäude mit 100 Alten- und 12 Behindertenwohnungen.

Die 1979 gebauten zwei- bis fünfgeschössigen Häuser in konventioneller Bauweise entstanden, weil der damalige Ortauschuss weitere achtgeschössige Gebäude untersagte und eine Bausperre verhängte.

Der Plan in der Erdgeschoßzone ein kleines Ladenzentrum entstehen zu lassen konnte nicht realisiert werden, weil die Lage für eine Geschäftsnutzung wohl nicht allzu attraktiv ist. Es entstanden aber eine Apotheke, Massagepraxis ein Restaurant und ein Lebensmittelgeschäft.

 

In unmittelbarer Nähe der Lenzsiedlung und für uns alle zur Lenzsiedlung gehörend liegt der Eimsbüttler Sportverein GRÜN-WEISS Hamburg von 1901 e.V. Die Geschäftsstelle, Clubheim und Sportplatz liegen seit Jahrzehnten an der Julius-Vosseler-Straße 195 in Lokstedt. Der Lage nach ist dieser Verein eigentlich ein Lokstedter, doch seine Mitglieder kommen überwiegend aus Eimsbüttel. Grün-Weiß Eimsbüttel ist in seiner langen Geschichte aus einer Vielzahl von Vereinen zusammengewachsen, die alle in dem 1908 gegründeten Ottensener FC mit den Vereinsfarben Grün-Weiß aufging.

In der Zeit war die Sportanlage „Tiefenstaken“ Julius-Vosseler-Straße 195, Heimat des „Eimsbüttler SV von 1901“. In den 20er Jahren lag hier die Viehweide eines Schlachtermeisters, der als Mitglied der Spielvereinigung St. Pauli seinem Verein diesen Platz damals sehr günstig verkaufte. Der Platz diente während des 2. Weltkrieges einer Scheinwerfer-Batterie der Flak als Stellung. Aus der Spielvereinigung St. Pauli wurde später der Sportverein 01 und aus dem wiederum der Eimsbüttler Sportverein 1901. Doch der ESV hatte in den 70er Jahren Mühe, den Platz zu halten und deshalb ging man 1976 eine Vernunftehe mit „FC Grün-Weiß 07“ ein. „Eimsbüttler Sportverein Grün-Weiß Hamburg von 1901 e.V.“ war der neue Name. Grün-Weiß Eimsbüttel wird der Verein gewöhnlich in Kurzform genannt.

Der Sportplatz ist auch schon außerhalb Deutschland zu Ruhm gelangt. Eine Szene aus dem Film „Kick it like Beckham“ wurde hier gedreht.

In Hamburg wurde die erste Pferdeomnibuslinie am 31.10.1839 in betrieb genommen und zwar nach Altona.

Seit 1855 verkehrt die Pferdeomnibusbahn zwischen Lokstedt Museum und Hamburg-Bergstraße bei der Petrikirche bereits alle 2 Stunden. Bei Schnee fiel der Verkehr aus.

1894 elektrifizierte man die Strecke Rathausmarkt – Hoheluft. Bis 1897 wurde das gesamte Hamburger Straßennetz elektrifiziert. Ab 9.3. 1898 fuhr die „Elektrische“ im 20-Minuten-Takt bereits bis Lokstedt, in der Hauptverkehrszeit alle 10 Minuten. Später bekam sie noch einen Anhänger. Seit den 22.8. 1907 verkehrte die Linie 2, wie sie damals schon hieß, bis Niendorf.

Dies sind nüchternen Fakten eines Entstehungsprojektes, das es galt mit Leben zu füllen. Bauprojekte hatten in Hamburg immer nur einen wirtschaftlichen Grund. Menschen wurden je nach Bedarf um- und angesiedelt. Menschenwürdiges Wohnen kolledierte mit wirtschaftlichen Interesse. Und soziale Stadtentwicklung bedingt sich aus der Geschichte der Hamburger Baugeschichte.

Was sich geändert hat? So wie in anderen Gebieten sind auch die Anwohner der Lenzsiedlung daran interessiert sich ihre Umgebung mitzugestallten. Und das Engagement der BewohnerInnen in der Lenzsiedlung ist sehr groß.